Bachmann und Frisch

Briefe im Spiegel ihrer Werke

Mit zunehmender Digitalisierung verschleift die Sprache immer mehr und verliert an sinnlicher und spiri­tueller Tiefe und die Fähigkeit zur kulturellen Identifikation, die ein wichtiges Werkzug für ein friedliches Miteinander einer multikulturellen und demokratisch organisierten Gesell­schaft ist. Am Beispiel von Ingeborg Bachmanns und Max Frischs Brief­wechsel und ihrer Werke wird gezeigt, wie eine »gefeierte Sprache« zugleich ein sinnlicher Akt als auch konstruktiv inspirierend eine Beziehung erhellt und mit verschiedene Ebenen des Bewusst­seins interagiert.

Leitgedanke

Sprache feiern

Ingeborg Bachmann ist bereits eine gelobte Lyrikerin und Max Frisch ein erfolg­reicher Dramatiker, als er 1958 ihr Hörspiel »Der gute Gott von Man­hattan« im NDR Radio verfolgt. Er schreibt ihr unmittelbar einen begeis­terten Brief nach München, der der Beginn eines intensiven Briefwechsels zwischen beiden wird.

Was treibt Ingeborg Bachmann an, was Max Frisch? Wo und wie begegnen sich beide in der Dichtung? Was vereint beide auf der Suche nach Wahrhaftig­keit? Die Sprache ist der Seismo­gra­phen dieser sinnlichen und zugleich konflikt­reichen Künstlerbeziehung. Da ist das Bedürfnis nach Rückzug einer­seits, um die eigene lite­ra­­­­rische Arbeit voranzutreiben und der Wunsch nach leiden­­schaft­licher Nähe anderer­seits. Zugleich legt die Sprache Zeugnis über die Berufung zweier Autoren ab, die um jedes Wort ringen, wenn es darum geht, den anderen in seiner litera­rischen Arbeit zu unterstützen oder das eigene Werk bedingungslos auf den Punkt zu bringen.

»Wir sind doch auch mutig.« Ingeborg Bach­mann an Max Frisch

Theaterprojekt

Im Spiegel ihrer Werke

Die sinnliche Kraft von Sprache und ihre zwischen­mensch­liche Wirkung wird anhand ausgewählter Texte aus dem Briefwechsel und den Werken von Ingeborg Bachmann und Max Frisch thematisiert. Gesucht wird »die Schön­heit der Sprachvielfalt« die Zeugnis der sinnlichen und klaren Sprache einer leben­digen Beziehung wiedergibt.

Szenencollage

»Im Halbdunkel erscheint ein Mann, dem Radio zugewandt. (Ein Strahler leuchtet langsam den sitzenden Mann aus.) Stimmen lesen aus dem Hörstück »Der gute Gott von Manhattan«. (Da­nach wieder Stille.) Der Mann erhebt sich, geht Richtung Schreibtisch, spannt ein Blatt in die Schreib­ma­schine. (Das harte Klappern der An­schläge tönt im Raum.) Der Mann zieht das Blatt aus der Ma­schine heraus, unterschreibt, faltet es zu­sammen und schiebt es in ein Couvert. Notiert etwas darauf, ver­schließt das Couvert, steht auf und verlässt die Bühne. (Während­dessen erscheint der Schatten einer Frau auf einer Projektions­fläche.) Die Frau öffnet das Couvert, liest laut, allmählich überlagert von den erneut tönenden Sprechstimmen aus dem Radio. Ein Wortcluster entsteht bis die verstummt. (Das Projektionslicht erlischt)

Das Textbuch wird als Szenencollage aus Textausschnitten und impro­visierten Schauspielszenen entwickelt.

»Lauter Krims­krams­ Erzählungen freilich, die ohne Wichtigkeit sind, aber es ist doch wichtig, wenn man ein Leben mit einem andren Leben hat.« Ingeborg Bachmann an Max Frisch

Performance

Wechselspiele

Die Performance experimentiert mit der sinnlichen Wirkung von Sprache, anhand ausgewählter Texte von Ingeborg Bachmann und Max Frisch, die in den öffentlichen Raum (Urban oder Bühne) gesprochen und zu Loops ver­arbeitet werden. Dabei wird Sprache als sinnliches Werkzeug eingesetzt, um ihre transformierende Kraft live er­fahrbar zu machen. Mittels sich im Loop wiederholender Texte, verdichten sich diese zu Wortcluster, die in den Raum gesendet und sich zu einer raum­greifende Sprachskulptur verweben. Dabei ist die allmähliche Einbindung des Publikums Teil der Inszenierung, so dass die Zuschauer selbst zu Per­for­mende des inszenierten Sprach­kon­tinuums werden.

»Meine Ingeborg! — wie kühn, Dich so zu nennen, und doch ist es jetzt, von mir aus, das Einzig­mög­liche.« (Max Frisch an Ingeborg Bachmann)

Daten

Projekte

»Sprache im Wechselspiel«
— Ingeborg Bachmann und Max Frisch
Urban-Performance I In Arbeit

»Briefe im Spiegel ihrer Werke«
— Ingeborg Bachmann und Max Frisch
Theaterprojekt mit Herbert Fischer I In Arbeit seit 2023

»Wir haben es ( ) gut gemacht«
— Ingeborg Bachmann und Max Frisch
Recherche für ein Theaterstück I 2023 I Gefördert durch den Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien Berlin

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