Blaues Quartier

Inmitten Vertrauten und Aufbruch

Wie wollen wir in Zukunft leben — urbanes Leben als inspirierende Quelle für den Menschen

Das »Blaue Quartier« ist ein in die Zukunft weisendes urbanes Ent­wicklungs­projekt, dass sich zur Aufgabe macht, die Frage nach dem urbanen Zusammen­leben trans­formativ, heißt aus der Perspektive der gesamten Wirkkräfte einer Stadt, zu beantworten mit dem Ziel, einen Ort zu kreieren, an dem sich Menschen in Offenheit, Toleranz und Heiterkeit begegnen und ab­sichtsloses Tun die Sinne und den Geist beflügeln.

Die Fähigkeit, Eigensinn zu entwickeln, ist eine der wichtigsten Grundlagen für die Fähigkeit, Gemeinsinn zu leben. Christina Weiss, Die Stadt ist Bühne

Stadtlyrik

Kann die Vision einer lyrischen Stadt real werden?

Isadora

Die Stadt meiner Träume . . . die, mit dem schönen Klang . . . hoch oben in den Bäumen . . . wo kein Haus dem anderen gleicht . . . eine glückliche Stadt, die ihre Be­wohner liebt . . . und die es wiederum lieben sich schwin­genden Ganges über die Hänge­brücken zu besuchen . . . manche treibt es gar über die Wendel­treppen in den Himmel . . . andere stürzen sich mit Seilen ins blaue Wasser . . . das so klar ist, wie ein Spiegel, der alle Schatten verschlingt . . . so ist diese Stadt Isadora, hoch oben in den Bäumen . . . wo Fenster zu Türen werden und eine jede offen steht für den Fremden und alles Neue . . . wo Herzen Menschen berühren und Vernunft nur eine kleine Fußnote ist . . . wo Disputierende gelegentlich lieber Kopf stehen . . . wo Verrückte und Fantastereien viel Platz haben und Leucht­türme verirrte Seelen lotsen . . . wo Krankheit nur ein Hinausfallen aus der Liebe ist . . . wo Menschen sich am Spiel erfreuen und Farben und Düfte Worte verschlingen . . . wo Erwachsene beseelt und weise führen und Kinderlachen die Sorgen befrieden . . . wo Träumende auf Luftschiffen reisen und Karussells den Boden küssen . . . wo selbst das Lust­wandeln im Regen ein Vergnügen ist, denn nirgendwo, außer in Isadora, leuchten die Regenbögen dreifach!

Isadora Szene Manuela Rademaker

»Wenn die Wipfel unseres Himmels sich zusammen­finden, dann hat mein Haus ein Dach.« Paul Eluard

Projekttrilogie

Wie kann tolerantes Zusammen­sein gelingen?

Das »Blaue Quartier« als ge­meinschafts­bildendes Modellprojekt

Das »Blaue Quartier« vereint drei autonome, miteinander koope­rierende Pro­jekte unter einem Dach: Den Grundstein »Haus für Kinder« mit Betreuung für Kinder, die »Werkstatt­bühne« mit Kultur für Jugendliche und Erwachsene und den »Stadtgarten« mit Urban Gardening und Fassaden­land­wirtschaft für Stadt­teil­bürger. In der Gesamtheit bildet das „Blaue Quartier“ das Modell für ein gene­rations­über­greifendes Von­einander-Lernen und Miteinander-Sein und im Speziellen die Schaffung eines lebendigen Orts am Damm 37 in Oldenburg, als Modellprojekt.

»Meine lieben Bürger: Seid einträchtig, denn die Eintracht der Bürger ist die größte Stärke der Städte.« Herforder Rechtsbuch

Haus für Kinder

Welche Werte wollen wir unseren Kindern vermitteln?

Die Altbauperle des südlichen Stadttor­gebäudes als kreativer Entfaltungs­raum für die Kinder

Das »Haus für Kinder« verschreibt sich, angelehnt an demokratische Lern­kon­zepte, der absichtslosen Persönlich­keitsentfaltung, die das »Anderssein« als Begabung und kreative Quelle auf dem Weg der Selbstermächtigung begreift und damit die Innovation dieses kulturellen Bildungsansatzes gründet. Im Fokus steht die För­derung des sensitiven Ausdrucks über Tanz, Theater und Musik, verbunden mit der Bildenden Kunst und einem Malort nach Arno Stern. Die unmittelbare Nähe zur Werk­statt­bühne ermöglicht den Kindern sich jederzeit vielfältig kreativ auszudrücken und begreifen zu lernen. Mit Koope­rationen gene­rations­übergreifender Projekte, die sich über die »Werkstatt­bühne« und dem »Stadtgarten« neben dem Kinder­gartenalltag organisieren, erweitert sich das Entwicklungsfeld der Kinder um das Voneinander-lernen — ein besonderes Anliegen der Entwicklerin.

Das »Haus für Kinder« ist im öst­lichen Stadttor­gebäude, ein zwei­geschos­siger Walmdachaltbau, verortet. Es bildet das Funda­ment des »Blauen Quartiers« auf dem die »Werkstatt­bühne« und der »Stadt­garten« aufbauen.

»Warum lässt der alte Mann den Fisch nicht einfach frei? Der alte Mann ist nun mal der alte Mann und der Fisch ist der Fisch. In dieser Welt muss man sein, wer man ist, egal was passiert.« Filmzitat Equalizer

Werkstattbühne

Welche Träume und Visionen haben wir für die Zukunft?

Eine Halle im Hof als Labor für kreative Visionen

Kommunizieren, fantasieren, experimen­­tieren, sich produzieren, miteinander diskutieren und Ge­schichten erzählen — lebendiges Zusam­men­sein mittels gemein­samer kultureller Projekte, die als Theater­­­stück, Musik­performance, Lesung oder philo­sophische Kaffee­haus­­deba­tte, im Sommer unter freiem Himmel im Hof, umgesetzt werden. Die »Werkstatt­bühne« ist das zweite, sich selbst verwaltende Projekt des »Blauen Quartiers«. Sie ist kreativer Freiraum für Tanz, Theater, Musik und Literatur aller Generationen, zugleich er­weiterter Entfaltungsraum für das »Haus für Kinder«, neue Heimat für das Objekttheater und die treibende Kraft bei der Vernetzung mit Kultur­ein­richtungen der Stadt. Verortet im Anbau des Stadttor­gebäudes wird der Raum der »Werkstattbühne« bei projektüber­greifenden Aktionen in den Außenbereich erweitert.

»Ich glaube an die Unsterb­lich­keit des Theaters. Es ist der seligste Schlupf­winkel für die­­jenigen, die ihre Kindheit heimlich in die Tasche gesteckt und sich damit auf und davon gemacht haben, um bis an ihr Lebens­ende weiter­zuspielen.« Max Reinhardt

Stadtgarten

Wie verbinden wir uns mit unseren Wurzeln?

Urban Gardening, akustische Wasserspiele und eine Fassadenlandwirtschaft als Ort des absichtslosen Tuns

Erde aufbrechen, säen, wachsen und gedeihen lassen und schließlich ernten. Die Er­innerung an den Ursprung mensch­lichen Tuns im Einklang mit den natürlichen Kreis­läufen ist ein wichtiger Ruhepol für die Seele und eine will­kommene An­bindung an die eigenen Wurzeln.

Das dritte autonome Projekt des »Blauen Quartiers« ist der gemein­nützige Stadtgarten, der den 300 qm großen Hof zusammen mit der 700 qm großen städ­tische Grünfläche umfasst und sowohl den Stadt­bürger des Damm-Viertels als auch den Kulturprojekten des »Blauen Quartiers« zur Verfügung stehen. In Anlehnung an Londoner Common Gardens und Social Farm & Gardens ­­wird hier ein »Urban Gardening« Projekt aufgebaut. Für die vertikale Erweiterung auf der nachbar­schaftlichen Brandwand steht das 2008 von Herzog & de Meuron fertig gestellte Caixa Forum in Madrid, dessen überzeugende Fassaden­be­grünung einer Brandwand vom französischen Botaniker Patrik Schwarz geplant wurde und seitdem überzeugend das Forum dauerhaft begrünt und klimatisiert. Die optionale Erweiterung durch eine Fassaden­landwirtschaft nach dem Biologe Andreas Reimann vom Fraunhofer Institut IME und TU Aachen käme dann einem Pilot­projekt mit Nutzung gleich. Die innerhalb der grünen Oase geplanten akustischen Wind- und Wasser­spielen, ein Bezug auf die ehemaligen herzoglichen Fisch­teiche, werden in Kooperation mit dem Hör­zentrum der Universität Oldenburg entwickelt. Als Garten­haus und Kaffee­wagen für sommer­liche Outdoor-Aktionen dient ein mobiler Zirkuswagen.

Die zentrale Lage des Stadtgartens, zwischen dem fußläufigen Schloss­garten und der schiffbaren Hunte mit Yachthafen in unmittelbarer Nähe, geben diesem Ort eine besondere Bedeutung als urbane »Kulturoase« am Damm.

»Wenn ich das Wasser schöpfe, ist der Mond in meiner Hand!« Zen Koan

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Stadtsynergien

Urbane Identität

Die städtebauliche Ordnung

Verortet ist das »Blaue Quartier« an der Straßen­achse des äußeren Damms, die die Altstadt mit dem süd­lichen Ein­gangs­tor verbindet, gebildet von zwei quer­­­stehenden Gebäuden, die zu einer platzartigen Erweiterung des Damms füh­ren, räumlich eingefasst vom Stadt­archiv, der Bibliothek, dem Natur­kunde­museum und der human- und gesell­schafts­­wissenschaftlichen Fa­kultät der Universität Oldenburg. Die südliche Grenze der platzartigen Öffnung bildet die schiffbare Hunte mit der »Blauhaus­brücke«, die in den 1920er Jahren durch eine der be­mer­kens­­wertesten elektrischen Hub­brücke (Cäcilien­brücke), eingefasst von vier Stadttor formenden Klinker­poly­phonen, ersetzt wurde. Diese städte­bauliche Konzeption wurde 1840 vom Stadt­planer Hillern bewusst als ein­ladende Geste in die historische Altstadt konzipiert.

Die Nähe zur fuß­läufigen Hunte mit dem kleinen Yachthafen, der Schloss­­garten an der Altstadtgrenze und die verkehrs­beruhigte Damm Straße, geben diesem Ort eine einmalig entschleunigende Qualität als urbane Oase, auch ein Ort des Lauschens und der Sinne.

Der architektonische Bestand

Das östliche der beiden Stadttor­gebäude, Damm 37, ein fünfachsiger denkmal­geschützter klassizis­tischer Walm­dachbau aus dem Jahre 1834, beheimatet das Haus für Kinder. Im Anbau befindet sich die Werkstatt­bühne und im Hof ist der Stadt­garten angesiedelt. Die sich aus der süd­westlichen Verankerung des Haupt­gebäudes und der Brandwand im Norden ergebende städte­bauliche Konzeption umfasst den Hof wie eine schützende Hand. Die durch den Abbau der Hubbrücke neu ent­standene Verkehrs­beruhi­gung ist eine Chance für die Südstadt, zu einem eigenständigen Viertel zusammen­zuwachsen, dem »Dammviertel«.

Die bildungskulturelle Vernetzung

Die Human- und Gesell­schafts­­wissen­schaft der Universität im Neben­gebäude, das Natur­kunde­museum, das Stadtarchiv und das Graf-Anton-Günther Gym­nasium in un­mittel­barer Nach­barschaft, die Nähe zur Altstadt mit ihren kultu­rellen Ein­richtungen Kunstverein, Augusteum, Prinzenpalais und stadtteil­über­greifend das Laboratorium, die Kultur­etage, das Stadt­theater und das Horst-Jansen Museum, bieten optimale Voraus­setzungen für ein Kultur­elles Netz­werk aus Theatern, Museen und kreativen Werkstätten mit Strahlkraft von diesem Ort ausgehend.

Daten

Quellen


Caixa Forum Madrid Architekten Herzog & de Meuron und Patrik Schwarz
Fassadenlandwirtschaft nach Andreas Reimann Fraunhofer IME
Common Gardens The Phoenix Garden in London City
Social Farm & Gardens Gartenlandwirtschaft London City
Container Collective Werksviertel München
Hörgarten Oldenburg Erlebnisgarten mit akustischen Objekten
Malort nach Arno Stern
Objekttheater für junge Menschen
Stadttorhaus das östliche Südstadttorgebäude
Stadtgartensiedlung
der 20 Jahren in Oldenburg

Literatur

»Oldenburg, ein norddeutsches Stadtbild im Wandel der Zeit«
Hermann Lübbing, Heinz Holzberg Verlag Oldenburg

»Oldenburg im Profil«
Klaus Brake, Rainer Krüger, Isensee Verlag Oldenburg

»Baudenkmäler im Oldenburger Land«
Herausgeber Horst Neidhardt, Heinz Holzberg Verlag Oldenburg

Zeichnungen unter Verwendung einer Illustration von Catrin Welz-Stein

Presse

magazin-blauesquartier.pdf

». . . ein Leuchtturmprojekt!«
Christine-Petra Schacht, Baudezernentin der Stadt Oldenburg

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